Aufwertung des Unteren Schlossgartens und Rosensteinparks - allerdings starke Eingriffe in den Park beim Hauptbahnhof

Erstmals seit langem werden die Schlossgartenanlagen wieder erweitert. Die Beseitigung der oberirdischen Bahnanlagen wird zu einer überraschenden Bereicherung der Stuttgarter Stadtlandschaft führen. Beeinträchtigt wird der Park aber durch den quer unter dem Mittleren Schlossgarten verlaufenden neuen tiefliegenden Bahnhof.

Nach dem Rahmenplan von 1997 wird der Park rund 20 Hektar Fläche zurückbekommen, nachdem er im Lauf seiner Geschichte immer wieder verkleinert und zerschnitten worden ist. Die größte Eingriffe waren der Bau der Eisenbahn zum ersten Stuttgarter Hauptbahnhof um 1850, die Erweiterungen und der zweite Hauptbahnhof schon 16 Jahre später und dann der Ausbau der Bahnanlagen um 1920 im Zusammenhang mit dem Bau des dritten, heutigen Hauptbahnhofs. Mit Stuttgart 21 werden etwa 20 ha (200.000 qm) Parkflächen wieder gewonnen, hauptsächlich im Bereich des ehemaligen Paketpostamts.

Nordwestlich der Platanenallee wird der sanfte Anstieg des Geländes hinauf zum Killesberg wieder erlebbar werden, die gewaltigen Stützmauern und schroffen Böschungen längs der Platanenallee werden verschwinden. Von der Wolframstraße und der Rossebändiger-Skulpturengruppe wird der Blick auf Schloss Rosenstein wieder frei. Und ohne den Lärm der Züge werden die Anlagen noch mehr Erholung bieten.

Die heutige Gestaltung des Mittleren Schlossgartens - sie entstand zur Bundesgartenschau 1960 - wird im Bereich des tiefliegenden Bahnhofs völlig verändert. Die Wellen und die "Augen", die sich aus der neuartigen Hallenkonstruktion ergeben, können ein ganz reizvolles Motiv für eine Gartenarchitektur sein, die ebenso kreativ ist, wie die unbestritten geniale Hallenarchitektur darunter. Aber die breite Zone mit den Lichtkuppeln quer durch den Park und hinter dem Bahnhofgebäude könnte auch als leer und künstlich wahrgenommen werden. Das sind Eingriffe und Veränderungen, die einige Besorgnis ausgelöst haben. Die viel bemühte "Blickachse" von der Königstraße in Richtung Rossebändiger-Skulpturengruppe gibt es allerdings auch heute nicht - in der Blickachse Königstraße steht immer noch der Bahnhofsturm und künftig an seiner Seite der gläserne neue Hauptzugang zur großen Bahnhofshalle.

Und das neue Landschaftsbild, das mit dem Anstieg des Geländes entlang der Schillerstraße entsteht, kann man auch positiver bewerten: Oberer und Mittlerer Schlossgarten leiden derzeit schon unter der Zäsur der Schillerstraße, die Anböschung schützt den Park vor dem Verkehrslärm. Beim Fussgängersteg wird sich der Übergang zum Mittleren Schlossgarten eher verbessern, weil das derzeitige "Loch" am Landespavillon entfällt. Auch der höhengleiche Anschluss an die Willy-Brandt-Straße mit seinem erweiterten Vorplatz ist für die Achse Sängerstraße und Sängerstaffel hinauf zur Uhlandshöhe ein echter Gewinn.

Zukünftige Parkerweiterung und
Neubauquartier Rosenstein
(Foto: Landeshauptstadt Stuttgart)
Zukünftiges Areal hinter dem Hauptbahnhof
(Foto: Landeshauptstadt Stuttgart)
Mittlerer Schlossgarten
(Foto: Landeshauptstadt Stuttgart)