Der Durchgangsbahnhof ist kein Selbstzweck

Der neue Hauptbahnhof als Durchgangsbahnhof ist Voraussetzung, um den Bahnverkehr leistungsfähiger zu machen. Nur er macht günstigere Streckenführungen, höhere Kapazitäten und einen reibungslosen Verkehrsfluss möglich. Die Anzahl der Gleise im bestehenden Kopfbahnhof - es sind 16 - sagt wenig über die Leistungsfähigkeit. Der Engpass liegt nämlich zum einen in der Überlastung der bestehenden Zufahrtsstrecken, zum anderen in der Umständlichkeit und Anfälligkeit durch das Rangieren, das Kreuzen von ein- und ausfahrenden Zügen und den immer nötigen Richtungswechsel. Der Zeitgewinn beim Halten ist so erfreulich wie die Zeitgewinne durch die neuen und verbesserten Strecken. Aber auch die betriebstechnischen Verbesserungen, die nur der Durchgangsbahnhof möglich macht, sind eine Notwendigkeit, um die Bahn in Stuttgart zukunftsfest zu machen: zukünftig 48 statt heute 225 Weichen (und die geschützt vor Eis und Schnee), Rangierloks nicht mehr nötig. Nur der DB zuliebe wird der Bahnhof aber nicht umgebaut. Was zählt, ist die viel höhere Leistung eines umfassend optimierten Systems. Nicht ein neuer Bahnhof ist das Ziel von Stuttgart 21. Der neue Bahnhof ist eher der Preis eines wesentlich verbesserten Verkehrsnetzes im Interesse eines attraktiven und nachhaltig entwicklungsfähigen Fern- und Regionalverkehrs.

Es geht also am Kern des Problems vorbei, wenn manche Leute nur mit der Qualität des alten Bahnhofs und dem Wagnis, den neuen Durchgangsbahnhof am Standort einzufügen, gegen Stuttgart 21 argumentieren.

Gleise und Weichen
(Foto: Landeshauptstadt Stuttgart)
Kopfbahnhof an zweigleisiger Strecke erfordert vier Kreuzungen
(Abb.: Landeshauptstadt Stuttgart)
Gleise und Weichen
(Foto: Landeshauptstadt Stuttgart)
Die vielen Rangier- und Abstellgleise sind heute überflüssig (Abb.: Landeshauptstadt Stuttgart)