Ist der von den Gegnern von Stuttgart 21 vorgeschlagene „Kopfbahnhof 21“ eine vernünftige Alternative?

Nein, vor allem aus folgenden drei Gründen:

1. Keine Direktanbindung von Flughafen, Messe und Filderregion

Auch der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat den Vorschlag Kopfbahnhof 21 ausführlich geprüft. Ergebnis ist: er ist nicht vorteilhafter, möglicherweise nicht einmal eine vergleichbare Alternative (Drucksache 5 S 847/05, verkündet 6.4.2006). Hauptgrund: Er bringt keine Direktanbindung von Landesflughafen an die Neubaustrecke nach Ulm, München. Stattdessen behilft man sich „mit einer von der Neubaustrecke beim geplanten ‚Scharnhauser Dreieck‘ abgehenden Stichstrecke und einer Weiterfahrtmöglichkeit über die Gleise der auch von der S-Bahn befahrenen Filderbahn und sodann der Gäubahn zum Kopfbahnhof“. (S.38) Es wäre ein riesiger Nachteil, die großen Verkehrsmengen bei Flughafen, Messe und aus der Filderregion nicht besser auf die Bahn zu bringen, auch auf die mit der Verkehrslösung Stuttgart 21 verbundenen und weiteren Chancen für den Nah- und Regionalverkehr zu verzichten (siehe oben Gründe für Stuttgart 21, besseres und entwicklungsfähiges Verkehrsangebot auf der Schiene).

Übrigens bei einer Lösung mit verbessertem Kopfbahnhof: Mehr Verkehr auf der Gäubahn = mehr Lärm für die Anwohner dort

Dies wäre auch sehr ungünstig für die Anwohner bei der Gäubahnstrecke, von denen viele sehr nah an der Bahnlinie wohnen.

2. Keine vergleichbare Aufwertung der Stadtquartiere in der nördlichen Mitte von Stuttgart und des mittleren Schlossgartens

200.000 Quadratmeter mehr Parkfläche entstehen nicht, der Park wird auch nicht besser zugänglich und weniger von Lärm betroffen sein. Die Stadtquartiere in der nördlichen Mitte von Stuttgart werden nicht aufgewertet - schade für die rund 7.000 Einwohner dort, die eher zu den benachteiligten Bevölkerungsgruppen gehören. Die neuen Wohnungen für gut 8.000 Einwohner und die Büros und Geschäfte für mindestens ähnlich viele Arbeitsplätze entstünden in der Umgebung von Stuttgart - schlecht für die Wohnungs- und Arbeitsuchenden und den erwünschten Trend 'zurück in die Stadt', schlecht für die Ökologie, schlecht für die Wirtschaft. Keine neuer zentralen Standorte für Berufschulen, Kultur und Freizeit mitten in der Stadt, auch das wären vertane Chancen.

Die Gegner von Stuttgart21 diskutieren polemisch, argumentieren emotional und versäumen eine zu Ende gedachte Auseinandersetzung mit dem Projekt. Sie verweigern es, zur Kenntnis zu nehmen, dass aus eisenbahntechnischen Gründen nur ein Durchgangsbahnhof die richtige Lösung sein kann. Stuttgart ist nicht der Nabel der Welt. Die Bahnstrecken sind eingebunden in bestehende Verbindungslinien. Werden diese durch einen Sackbahnhof unterbrochen, verlängern sich zwangsläufig die Fahrzeiten für alle die Reisenden, die Stuttgart nicht zum Ziel haben - im Fern- wie im Regionalverkehr. So war auch die Sorge nicht aus der Welt, dass ein neuer Stuttgarter Hauptbahnhof ausserhalb des Stadtzentrums gebaut werden könnte. Dann hätte bei der Ausrichtung des öffentlichen Nahverkehrs nichts mehr gestimmt. Dies zu vermeiden war damals - in den 80er Jahren - wesentlicher Grund für die Entscheidung zu Stuttgart21 mit Durchgangsbahnhof.

3. Die Alternative Kopfbahnhof 21 kostet auch viel Geld, bringt aber nicht annähernd entsprechenden Nutzen ...

Zum Stand des Verwaltungsgerichtshofverfahrens wurden die Kosten für Stuttgart 21 mit 2,81 Milliarden angesetzt, die billige Variante des Alternativkonzepts der Gegner von Stuttgart 21 (Alternative LEAN) mit 1,6 Milliarden. Der Unterschied von 1,21 Milliarden verringert sich aber nach den Prüfungen des Verwaltungsgerichtshofes stark, wenn vergleichbar und realistischer gerechnet wird: Es fehlten die beträchtlichen Kosten der Sanierung von verbleibenden Überwerfungsbauwerke und Brücken, große Teile der bestehenden Infrastruktur sind sanierungsbedürftig. Außerdem wären die Mehrkosten für das Bauen unter laufendem Betrieb für einzelne Anlagen zu berücksichtigen, deutlich zu niedrig seien die angesetzte Kosten für die S-Bahnstation „Terminalbereich“. Die Pläne der Alternative Kopfbahnhof 21 sind nicht genau verortet, einiges ist gar nicht so zu realisieren, wie gedacht. Nicht aufgerechnet und entscheidend ist der viel geringere Nutzen gegenüber Stuttgart 21. Nicht zu übersehen ist schließlich der Unterschied bei der Finanzierung. Bahn, EU, Bund und Land versprechen sich von dem Alternativ-Konzept Kopfbahnhof 21 nicht viel, entsprechend stellen sie dafür keine vergleichbaren Gelder zur Verfügung.